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Ben Leander Willgruber, MSc.
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A Tinder Date without Touch and more Quarantine Stories

Bilingual Blog Post | German + English

Die Welt, die wir mal kannten ist nicht mehr: Wir befinden uns in einer sonderbaren und nie dagewesenen Zwischenwelt. Weil wir isoliert voneinander leben, habe ich keine Ahnung, wie die Realität anderer Menschen gerade aussieht. Daher habe ich einige Geschichten dieser Zeit hier gesammelt.

The life we used to know is no more: We’re in a state of limbo somewhere between pre- and post-Corona. Because we continue our lives separately, I have no idea what other people’s reality is like right now. That’s why I’ve collected some stories here (English version has been translated from German).

Corona + Tinder

Zu Beginn der Quarantäne habe ich viel Zeit auf Tinder verbracht. Ich fand es schön, dass es mal nur ums Reden gegangen ist, keiner war auf der Suche nach Sex, wir haben nur Zeit in der Selbstisolation vertreiben wollen. Nachdem ich mit einer Person schon einen kleinen Roman geschrieben hatte, fragte sie, ob wir uns einmal treffen wollten. Wir einigten uns auf einen harmlosen Spaziergang, keine Berührung, kein Abschiedskuss, nichts. Beim Spar holten wir uns einen fertig abgepackten Salat, setzten uns in den Park und redeten für ein oder zwei Stunden und verabschiedeten uns berührungslos. Leider haben wir danach kaum mehr miteinander geschrieben; die Faszination des Unbekannten war verflogen.

At the beginning of the quarantine I spent a lot of time on Tinder. I thought it was nice that it was all about talking, nobody was looking for sex, we just wanted to pass time in self-isolation. After I had written a lot of messages with one person, they asked if we wanted to meet in real life. We agreed on a harmless walk, no touching, no goodbye kiss, nothing. At the supermarket we got a salad, sat down in the park and talked for an hour or two and said goodbye without touching. Unfortunately, we hardly wrote each other after that; the fascination of the unknown had vanished. 

Corona + the System

Ich gehöre zu den auserwählten Leuten, die als Systemerhalter gelten und deswegen arbeiten gehen dürfen. Juhu. Ich brauche gut eine ¾ h mit den Öffis in die Arbeit. Es ist schon sehr irritierend, wenn man fast alleine im Zug sitzt. Es ist eine bizarre Szenerie, normalerweise ist der Zug voll von Schülern und Menschen, die in die Arbeit fahren. Jetzt sieht man ein paar einsame Seelen, mit Mundschutz und Desinfektionsmittel. Es fühlt sich einsam und falsch an, aber so können wir zumindest bald zu unseren alten Leben zurückkehren und ich hab’ in der Früh wieder wen zum Tratschen im Zug.

I am one of the select few people who are considered relevant for the system and therefore are allowed to go to work. Yeah. I need to have a ¾ h train ride to get to work. It is very irritating and a bizarre scenery when you’re almost alone in a train that’s usually full of students and people going to work. Now you see some lonely souls, with mouthguards and disinfectants. It feels lonely and wrong, but at least this way we can return to our old lives soon and I’ll have someone to talk to in the train again.

Chris

Corona + Kind

Ich verbringe die Heimquarantäne mit meinem 4-jährigen Sohn in unserer neuen Wohnung. Einem Kind zu erklären, warum es nicht mehr nach draußen gehen darf ist schon schwer genug. Nachdem ich ihn einmal von seinem Papa geholt habe, ist dann außerdem das Thema Corona aufgekommen. Er war sehr verängstigt und hat gefragt: „Mama, was passiert, wenn du krank wirst? Und was ist dann mit mir – du kannst ja nicht krank werden.“ Niemand kann uns wirkliche Fakten sagen und ich musste mit den Tränen kämpfen, weil ich selbst keine Ahnung hatte, was Sache ist. Wie erklärt man einem Kind die Welt, wie sie jetzt ist?

I spend the home quarantine with my 4-year-old son in our new apartment. Explaining to a kid why he can’t go outside anymore is hard enough. Once I picked him up from his dad, the Corona issue also came up. He was very scared and asked: “Mum, what happens if you get sick? And what about me – you can’t get sick.” Nobody can tell us real facts and I had to fight with tears because I myself had no idea what was going on. How do you explain the world as it is now to a child?

Carina

Corona + Natur

All meine Projekte waren auf Eis gelegt, also habe ich die letzten Wochen damit verbracht, zu mir zu finden. Ich hatte einen massiven Streit mit meinem Vater und ein tränenreiches Gespräch mit meiner Mutter. Mir wurde es zu viel daheim, also beschloss ich, mit meinem Wohnwagen in die Natur zu fahren. Die Tage ganz alleine auf der Alm haben mir gutgetan. Ich traf einen Naturfotografen und wir redeten über die Stille, die klaren Flüsse, ohne Masken oder Mindestabstand. Ich beobachtete einige Wanderer und am Abend war es so leer, so unglaublich ruhig. Ich konnte schreien so laut ich wollte und hörte nur das Echo meiner Stimme. Ich versöhnte mich mit meinem Vater und es kamen Dinge zur Aussprache, die sich lange angestaut hatten. Dann ging mir das Gas zum Heizen aus, die letzte Nacht bei -5 Grad war so unglaublich kalt, ich konnte kaum schlafen. Zurück in der Stadt habe ich dann beschlossen, die Vergangenheit sein zu lassen und weiter nach vorne zu schauen. Jetzt sitze ich im Park und schreibe über die vielleicht beste Krise, die wir je hatten. Menschen laufen mit oder ohne Masken vorbei, Alt und Jung, bunt gemischt. Und sie lächeln. Ich grüße sie und sie grüßen freundlich zurück.

All my projects were put on hold, so I spent the last weeks trying to find myself. I had a massive fight with my father and a tearful conversation with my mother. It was getting too much at home, so I decided to take my caravan out into nature. The days all alone on the mountain pasture did me good. I met a nature photographer and we talked about the silence, the clear rivers, without masks or minimum distance. I watched some hikers and, in the evening, it was so empty, so incredibly quiet. I could scream as loud as I wanted and only heard the echo of my voice. I reconciled with my father and things came up that had been piling up for a long time. Then I ran out of gas for heating, the last night was so incredibly cold, I could hardly sleep. Back in town, I decided to let go off the past and look further ahead. Now I’m sitting in the park writing about maybe the best crisis we ever had. People are walking by, with or without masks, old and young. And they smile. I greet them and they greet back friendly.

Robert

Corona + Sport

Normalerweise bewege ich mich untertags sehr gern und gehe viel zu Fuß. In den ersten Tagen der Heimquarantäne fehlte mich der körperliche Ausgleich, dabei halte ich es gerade jetzt für sehr wichtig, unser Immunsystem so gut es geht zu unterstützen. Deswegen habe ich ein Bewegungskonzept für mich und meine Freunde vorgeschlagen, nämlich eine tägliche Stunde Workout via Videokonferenz. Ich habe noch nie als Sporttrainer gearbeitet und mich nur nebenbei mit dem Körper, Ernährung und Bewegung auseinandergesetzt. Also habe ich das Training einfach so angesetzt, wie ich es selbst gerne hätte. Meist sind wir 4-7 Leute, die sich treffen, um sich zumindest einmal am Tag richtig auszupowern. Wir machen Aufwärmübungen gefolgt von Sets an Übungen, die den gesamten Körper trainieren sollen. Zum Schluss tanzen wir noch zu zwei Liedern, zumindest diejenigen, die danach noch Energie haben – wie ein wenig abshaken beim Fortgehen.

Usually, I like to move a lot during the day. In the first days of home quarantine, I lacked physical balance, which I feel is very important now to support our immune system as much as possible. That’s why I suggested a fitness program for me and my friends: a daily hour of workout via video conference. I have never worked as a sports trainer before and have only dealt with the body, nutrition and exercise on the side. So, I simply scheduled the workout the way I myself would like it to be. Most times we are 4 to 7 people who meet to work up a sweat at least once a day. We do warm-up exercises followed by sets of exercises to train the whole body. At the end we dance to two songs, at least the ones that still have energy left – a little like dancing when going out.

Daniel

Vielen Dank an alle, die mir Geschichten zu diesem Thema geliefert haben!

Ben


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Compulsive nonconformist who left the 9-to-5 world after studying psychology and has since then devoted himself to design and writing on a freelance basis. Has at least four different kinds of chips at home at any given time.

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